Wachstumsschmerzen

Bei Kindern können wir beobachten, wie sie rasant wachsen und welche Entwicklungssprünge sie machen. Einige Theorien besagen, dass der Mensch von Geburt an regelrechte „Wachstumsschübe“ hat. Babys werden dann sehr weinerlich, möchten gerne dauergestillt werden und fordern noch mehr Nähe als sonst. Diese Wachstumsschübe ziehen sich durch die komplette Kindheit, nur werden mit der Zeit die Abstände größer. Während eines Schubes stellt sich so viel in uns um und sortiert sich neu, dass dies eine Unsicherheit und ein hilfloses Gefühl auslöst. Dazu kommen die körperlichen Unannehmlichkeiten, die das Wachsen mit sich bringt. Wer sich daran erinnern kann, wie Arme und Beine damals schmerzten, der kann sich vielleicht vorstellen, was für Schmerzen ein Baby haben muss, wenn alles permanent wächst.

Irgendwann sind wir jedoch körperlich ausgewachsen und haben uns Fähigkeiten angeeignet, mit denen wir unseren Alltag meistern. Wir wachsen aber immer noch weiter und hin und wieder gelangen wir in einen neun „Wachstumsschub“.  Wir nennen das dann gerne „Krise“. Das Leben fordert uns dann auf, neue Dinge zu erlernen und altes abzulegen um in unserem Leben weiter zu kommen, eine neue Ebene zu erreichen und weiter zu machen. Genauso wie bei Kleinkindern, die in einem Schub das Laufen beginnen. Sie tun dies nicht, weil es ihnen jemand sagt oder sie einen Zeitplan befolgen. Sie tun es aus einem inneren Antrieb heraus. Der Mensch möchte wachsen… und das Umfeld reagiert stehts positiv auf die Entwicklung eines Kindes welches zu laufen beginnt, zu sprechen anfängt oder oder… 

Als Erwachsene hingegen fühlen wir uns sehr oft damit alleine und bekommen Angst. Wie wird unser Umfeld reagieren? Hier prallen oft zwei Welten aufeinander. Der persönliche drang des Wachsens und Weiterentwickelns und die Erwartungen, die andere und auch wir von uns selbst haben. Diese Tatsache macht das Wachsen für uns auch als Erwachsene zu einer heiklen und oftmals schmerzhaften Angelegenheit.

Manch einen erschreckt es sogar so sehr, dass er sich jeder Wachstumsmöglichkeit verschließt und stur auf ein Lebensmodell beharrt, welches eigentlich nicht mehr passt. Andere wachsen mit ihrem Umfeld und gehen gemeinsam in neue Lebensabschnitte. Wenn man sich dem Wachstum öffnet, hat man wunderbare Möglichkeiten seine eigenen Grenzen zu erweitern und sich selbst neu zu entdecken. Natürlich bringt Wachstum oft Veränderung mit sich. Die Veränderung hängt aber vor allem mit dem Rahmen zusammen, in dem wir wachsen.

 

Wie auch beim Kind, muss sich vieles neu sortieren und es braucht Platz um neues zu erlernen und zu speichern. Wir benötigen in dieser Phase also nach wie vor Geborgenheit und einen „sicheren und erweiterbaren Rahmen“ um uns ganz dem Prozess des Wachsens zu widmen. Umso enger der Rahmen ist, umso schwieriger wird das Wachsen. Es erfordert von uns dann, unseren Rahmen zu sprengen oder einen ganz neuen zu schaffen. Das macht uns oft Angst, denn es bedeutet einen unsicheren Raum zu betreten und man fürchtet sich vor dem Unbekannten und den Konsequenzen. Nur so aber können wir die Grenzen erweitern und nur so schaffen wir größeren Raum für uns.

Wir wachsen durch Erfahrungen und Erlebnisse. Oft stellt man im Nachhinein fest, dass schmerzhafte Erlebnisse einen weit mehr wachsen ließen. Sie bringen oft viel Klarheit und Erkenntnis mit sich. Doch es muss nicht immer die große Krise sein, die uns zum Wachsen bringt. Wenn wir es schaffen in einem Umfeld zu leben, in dem wir uns geborgen fühlen und die Möglichkeit sowie den Platz haben zu wachsen, dann können wir uns erlauben diese Schübe anzunehmen und umzusetzen.

 

 

 

Wenn wir den Wachstumsschmerz wahrnehmen können, so sollten wir uns umsehen und fragen, ob unser Umfeld gerade passt und ob wir genug Raum haben. Dies erfordert Selbstreflexion und vor allem Geduld mit sich. So können wir anstehende Wachstumsprozesse erkennen und sie annehmen, denn entfliehen können wir ihnen nicht. Wer sich dauerhaft vor dem Wachsen verschließt, der braucht früher oder später die Krise, die einen zwingt, sich zu bewegen.

 

Vielleicht sollten wir uns mehr wie Kinder sehen, die stetig weiter wachsen. Dann können wir uns vielleicht auch die Geduld entgegen bringen, die auch den Kindern zusteht.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Rahmen und ein frohes Wachsen ...

Dinah

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Kommentare: 1
  • #1

    Marcus (Donnerstag, 23 März 2017 15:51)

    Wie Wahr. Danke für die Worte.