Schattenarbeit

Jetzt wo es wieder kälter wird und die Dunkelheit täglich wächst, richtet sich unsere Blick und Fokus wieder mehr und mehr nach Innen. Häufig ist diese dunkler werdende Zeit eine intensive Zeit, denn der Winter steht bevor und wir müssen das Licht und die Leichtigkeit des Sommers gehen lassen. Unsere Schatten werden im Licht der untergehenden Sonne, diesem Abend des Jahres, größer und wollen von uns gesehen werden. Unsere Schatten bergen all die Themen, Potenziale, Emotionen und Sehnsüchte die wir nicht gern sehen und annehmen wollen oder können. Darum schieben wir sie in eine düstere Ecke und lenken uns gerne von ihrer Existenz ab. Weil dieser Schatten aber nun mal zu uns gehört, können wir ihn nicht los werden oder dauerhaft übersehen. Immer wieder zeigt er sich uns in ungeliebten Emotionen, Ängsten, Wünschen… Die meisten haben als Kinder gelernt unser Verhalten und das Verhalten unserer Umwelt in „gut“ und „böse“ einzuteilen. Im Bestreben ein „gutes Kind“ zu sein, verdrängen, verleugnen oder verbergen wir daher „böses“ und füttern so unseren Schatten. Die Moral prägt uns und unseren Charakter. Und so laufen so unglaublich viele Menschen mit einem Rucksack voll edler Ziele und großer Vorbilder umher, deren ungeliebte Schatten immerzu an ihren Fersen haften.

Es geht hier nicht um einen bestimmten Typ Mensch. Jede/r von uns hat seinen Schatten. Jede/r hat Wünsche und Ängste und Emotionen die nicht in unser Weltbild passen, nicht zu unserer selbst gemachten Identität. Die Frage ist, wie gehen wir damit um? Was brauchen wir und was braucht unser Schatten? Der erste und wichtigste Schritt ist es, den Schatten nicht zu bekämpfen. Kampf ist keine Lösung. Das war es nie und wird es niemals sein. Wir müssen unsere Schatten zu aller erst einmal sehen, ihn wahrnehmen und „dasein“ lassen. Er gehört zu uns. Ist aus unserer Geschichte heraus gewachsen und wie wir ist er voll von ungelösten Themen und Konflikten. Manchmal spüren wir ihn deutlich, wenn plötzlich ein Gefühl in uns hochkocht, dass wir eigentlich immer unterdrücken. Gerade dann haben wir die Gelegenheit, uns das Gefühl genauer anzuschauen und dessen Ursachen zu erforschen. Schnell können wir feststellen, dass die meisten Emotionen und Ängste unserer eigenen Schattenwesend aus ungelösten Konflikten resultieren und wir diese (manchmal auch nur mit Hilfe von außen), lösen können.  Dies ist die große Aufgabe die uns der Schatten stellt. Ungelöstes zu heilen und anzunehmen, dass unser Schatten für uns trägt, was wir noch nicht gelöst haben.

Gerade darum ist die Schattenarbeit eine wiederkehrende Arbeit und gehört absolut zu einem bewussten und spirituellen Weg dazu. Wenn wir uns der Schattenarbeit verschließen und uns nur den leichten Themen öffnen, verlieren wir mit der Zeit die Verbindung zu uns selbst und zur Erde. Dann laufen wir Gefahr uns in, meist selbstgemachten, Scheinrealitäten einzunisten und tauschen echte Erkenntnisse gegen esoterischen Konsum. Eine spirituelle Reise zu sich selbst beinhaltet immer die Auseinandersetzung mit dem Schatten. Um zu wachsen braucht es das Verlasse der „Comfortzone“ und den Mut, die Vorstellung von sich selbst ein Stück weit aufzugeben um sie im Schoße unserer Mutter Erde und unter dem Himmelzelt der Sterne wieder zu finden. Erlebbarkeit und Hingabe sind der Schlüssel um auch langfristig mit dem eigenen Schatten frieden zu schließen und das Dasein immer wieder neu zu (er)leben. So lade ich euch ein, die Dunkelheit des Jahresabends ebenso zu begrüßen wie eure Schattenseite. Beides gehört zu uns und unserer Welt und hat seinen Platz im großen Ganzen.

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